Keihin oder Mikuni ?
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Welcher Typ ist besser, das ist die Frage... Hier möchte ich einmal aufzeigen, welche Vor- und Nachteile es bei den beiden vergleichbaren Typen japanischer Hersteller gibt. Es soll einen kleinen Anhaltspunkt darstellen und ist bei weitem nicht repräsentativ und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. In der Regel werden Mikuni an älteren Yamaha, Kawasaki und Suzuki (bei einigen älteren Modellen) verbaut, Honda verbaut die Keihin - Zerstäuber. Bei neueren Kawasaki- und Suzukimodellen findet man häufig die (produktionsgünstigeren) Keihin-Typen vor. Aus langer Berufserfahrung mit beiden Zerstäubertypen berichte ich nun über einige gute und schlechte Eigenheiten beider Systeme. Dieser Vergleich dient als Orientierungshilfe. Bitte das Urheberrecht an Text & Fotos beachten!
Aufbau Schimmerkammer Keihin Mikuni
SD = Sekundärdüse, LD = Leerlaufdüse, HD = Hauptdüse Gemeinsamkeiten: Über den jeweiligen Leerlaufdüsen befinden sich Gummiblindstopfen (hier nicht abgebildet), damit der direkte Zufluss von Benzin verhindert wird. Fehlen diese Stopfen, oder sind lose und undicht, ist eine vernünftige Einstellung im Standgasbereich fast unmöglich! Keihin: oft nichteinstellbare Plastikschwimmer; Schwimmernadelventilsitz nicht austauschbar. Schwimmerdrehachse leicht zu demontieren; 2 teiliger Düsenstock (n. abgebildet), kann u.U. nach unten herausfallen, wenn nicht gut angezogen wurde. Sekundär- und Hauptdüse leicht vertauschbar, da sie gleich aussehen; unter der Sekundärdüse befindet sich noch ein schraubbares Sekundärmischröhrchen. Leider hat der Hersteller eine etwas andere Vorstellung von Begriffen, was technisch irreführend ist. So wird z.B. die eigentliche Hauptdüse als Sekundärdüse bezeichnet und die Nebendüse als Primärdüse, obwohl sie nur nebensächlich zur Gemischaufbereitung dient. Im logischen Fall bezeichne ich also die Hauptdüse als Primärdüse, die zur primären Leistungsentfaltung dient und die Nebendüse als Sekundärdüse, da sie nur sekundär zur Leistungsentfaltung dient. beide Düsen kann man leider auch vertauschen, da sie äußerlich gleich groß sind! Mikuni: einstellbare Schwimmer mit austauschbaren Schwimmernadelventilsitz. Schwimmerdrehachse nur mit viel Gefühl demontierbar, da Passsitz. Einteiliger Düsenstock mit oberen Rezess durch Dichtscheibe und Hauptdüse befestigt (kann so nicht herausfallen); Leerlauf- und Hauptdüse nicht verwechselbar. Düsen
Gemeinsam: HD = Hauptdüse LLD = Leerlaufdüse Keihin: zusätzlich SD = Sekundärdüse, SDS = Sekundärdüsenstock. die LLD ist bei einigen Modellen auch eingepresst = nur mit Spezialtrick herausnehmbar! Mikuni: zusätzlich LD = Luftdüse, alle Düsen, bis auf eine Luftdüse und die Kaltstartanreicherungsdüse im Schwimmerdeckel, sind schraubbar. Schwimmerkammerdeckel
Gemeinsam: Ablassöffnung durch Kegelschraube verschlossen Keihin: Überlaufrohr (gelber Kreis); welches oft Mitursache für flüchtige Benzinanteile und damit schlechtes Startverhalten bei längeren Stillstand ist (Durchlüftung); Gummideckeldichtring, der gern bei Montage aufquillt. Mikuni: Kaltstartgemischdüse im Deckel (gelber Kreis); bei längerem Stillstand setzen Benzinreste diese Düse zu, somit fällt der Kaltstartbetrieb aus; Papierdeckeldichtung. Kaltstart (Choke)
Keihin: Kaltstart mittels hinten sitzender durch Seilzug betätigter Luftabsperrklappe (gelb) sowie Mechanik zur Standgasanhebung. Durch Drosselung der Luftmenge mittels Klappe wird das Gemisch fetter, dies allein reicht nicht aus, sodass noch die Leerlaufdrehzahl mittels Mechanik angehoben werden muss. Bei Demontage von Mehrzerstäuberanlagen müssen diese Klappen entfernt werden, da sie an einer Achse hängen. Die Verschraubung stellt somit ein Schwachpunkt dar, wenn diese nicht korrekt gesichert wird. Neuere Modelle besitzen ein ähnliches System wie Mikuni. Mikuni: Separates Starthilfeventil (gelb); durch öffnen ( 2 Stufen oder stufenlos) gelangt dann mehr Grundgemisch in den Brennraum zum Starten des Motors. Die Betätigung erfolgt durch eine Zugstange mit entsprechenden Abgriffen. Hier muss man bei Demontage auf die kleine Feder und Kugel achten. Bei hoher Laufleistung werden die Gummidichtflächen undicht, sodass ständig mehr Gemisch zur Verfügung steht. Der CO-Wert wird dadurch erheblich verfälscht und lässt sich auch mittels Gemischregulierschraube nicht korrigieren! Gassschieber
Keihin: (ältere Modelle!): Massivbauweise als Drehteil in kpl. Aluminium; Die Düsennadel ist nicht verstellbar. Rel. schwerer Aufbau. Neuere Modelle haben ähnlich Mikuni gummimembrangesteuerte Schieber mit gleichen Problemen. Mikuni: leichtes, Tiefgezogenes Alublech mit Gummigewebemembran. 5-fach verstellbare Düsennadelhöhe. Ab einer gewissen langen Laufleistung reissen diese Membranen gern an den Rändern ein, sodass im Endeffekt weniger Gemisch zur Leistungsentfaltung zur Verfügung steht. Dafür gibt es nur kpl. Ersatz, oder jetzt neuerdings Anbieter, die diese Membranen einzeln liefern. Rückzündungen in den Zerstäuber sind "Gift" für die Gummimembranen, sie werden dadurch geschädigt: obere Merkmale
Keihin: Luftabschlussventilmischöffnungen zur Gemischanreicherung beim plötzlichen Gaswegnehmen (gelb); Mikuni: obenliegende Kaltstartöffnung (gelb) Weiteres
Keihin: Luftabschlussventil (Air - Cut), bestehend aus 1 x kräftigen Feder, einer kleinen Membran mit Dichtkolben und einem Form-Oring; Soll beim plötzlichen Gaswegnehmen das Knallen im Auspuff durch Gemischanreicherung verhindern. Schlechte Montage von Neuteilen! Synchronisierschrauben mit Kontermuttern gesichert, also nur mit Spezialwerkzeug einstellbar. Verstellen sich nicht von alleine. Gemischschrauben sitzen oft von unten, dadurch benötigt man einen Winkelschraubendreher. Normales Gewinde. Schrauberfreundlichkeit: Mehr Bauteile, auf die man achten muss. Komplizierter Federmechanismus zur Kaltstartanhebung. Reinigung im U-Bad: Problemlos, aber durch mehr Bauteile längerer Aufwand nötig, da auch die Air-Cutgehäuse abgenommen werden müssen (fummelige Arbeit).
Mikuni: Synchronisierschrauben (bei Yamaha) einfach zu justieren; verstellen sich aber mit der Zeit leicht, sodass eine regelmäßige Kontrolle erforderlich ist. Gemischschrauben sitzen oft oben und lassen sich mit normalen Mitteln justieren. Feingewinde, dadurch bessere Einstellung möglich. Schrauberfreundlichkeit: Einfach gehalten, das Nötigste zum Betrieb eines Motors ist vorhanden. Reinigung im U-Bad: Problemlos
Gewicht: Grundsätzlich sind Keihin´s schwerer und breiter gebaut als das Mikuni-Pendant. Neuere Keihin´s kommen gewichtsmäßig vorteilhafter und bauen auch schmäler, da das Air-Cutsystem fehlt und ein zusätzlicher Kaltstartzerstäuber wie bei Mikuni integriert ist. Resümee sicher haben beide ihre Berechtigung, schrauberfreundlicher und technisch durchdachter ist mit Abstand aber aus eigener Erfahrung der Mikuni-Zerstäuber. Immer mehr kristallisieren sich bei den älteren Keihin´s jedoch deutlich größere Betriebsprobleme heraus, wie es viele Beispiele in der Boldor-Szene beweisen.
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